Die anhaltenden Diskussionen über eine Reform der staatlichen Gesundheitsversorgung zeigen deutlich, dass der Faktor „Gesundheit“ immer stärker zum Wirtschaftsfaktor wird. Die Kürzungen im Gesundheitssystem machen eine aktive Mitarbeit des Einzelnen heutzutage zur Notwendigkeit.

Dank der ständig steigenden Qualität der medizinischen Dienstleistungen hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland in den letzten Jahren merklich erhöht. Statistisch wird davon ausgegangen, dass ein Neugeborenes heute (abhängig von seinem Geschlecht) eine durchschnittliche Lebenserwartung von 75,6 (männlich) bzw. 81,3 Jahren (weiblich) hat. Vor 30 Jahren lagen diese Zahlen noch mit 67,3 (männlich) bzw. 73,5 Jahren (weiblich) ca. 8 Jahre unter dem heutigen Durchschnitt. Durch diesen demographischen Wandel und dem technischen Fortschritt steigt das Interesse an Gesundheit. Schon jetzt trägt die Erhaltung der Gesundheit einen großen Teil zum Lebensstil bei.

Durchschnittlich geben Deutsche schon heute pro Jahr ca. 900 € zusätzlich zur Krankenversicherung für ihre Gesundheit aus. Diese Tatsache hat mittlerweile schon zur Prägung eines neuen Begriffes geführt: Der „zweite Gesundheitsmarkt“. So bezeichnen Experten und Medien mittlerweile diesen Teil der Gesundheitsleistungen, die vollständig von privaten Ausgaben getragen werden.

Nach einer Studie der Roland Berger Strategy Consultants hat der „Zweite Gesundheitsmarkt“ in Deutschland 2007 ein Volumen von rund 60 Milliarden Euro und die Kaufbegeisterung zieht sich quer durch alle Schichten. Der „Zweite Gesundheitsmarkt“ ist für alle Arten von Unternehmen attraktiv. Er trägt entscheidend zur Wertschöpfung der Gesundheitswirtschaft bei.

Es gibt heute schon eine zusätzliche Nachfrage von 16 Milliarden Euro. Nur das Angebot fehlt noch. Durch den zweiten Gesundheitsmarkt werden in Zukunft viele Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt soll es in der Gesundheitswirtschaft bis 2020 rund eine Million neue Arbeitsplätze geben.

Der beschriebene Wachstumsboom lässt sich allerdings nicht nur auf dem zweiten Gesundheitsmarkt beobachten. So beschreibt der Branchenreport der Creditreform von 2011 das heute über 7 Millionen Menschen in deutschen Fitnessstudios trainieren. Das sind mehr Trainierende als Mitglieder des Deutschen Fußballbunds. 8,5 % der Deutschen betreiben regelmäßig Fitnesssport. Sollte sich die Entwicklung wie in den Niederlanden, Spanien oder Schweden, in denen über 14 % der Einwohner Fitnesstraining betreiben, fortschreiten, so dürfte auch in den nächsten Jahren mit einem deutlichen Wachstum zu rechnen sein.

Allerdings hat sich das Fitnessverhalten deutlich verändert. Aus dem früher übertrieben betriebenem „Bodybuilding“ ist heute ein gesundes und präventives Kraft- und Ausdauertraining geworden. Dadurch wachsen die Anforderungen an die Trainer und die Ausstattung der Studios.

Der Fitnessmarkt wird zu einem Teil des „Zweiten Gesundheitsmarkts“. Immer mehr Menschen in Deutschland wollen gesünder leben. Dadurch entstehen in vielen Bereichen des Fitnessmarkts neue Arbeitsfelder. Der steigenden Nachfrage nach Beschäftigung steht aktuell eine Unterversorgung mit qualifiziertem Personal entgegen. Es sind für den rasant wachsenden Markt nicht genug ausgebildete Fachkräfte vorhanden. Um den Markt mit qualifiziertem Personal auszustatten, müssen die Anstrengungen in die Ausbildung und Weiterbildung von Fachkräften intensiviert werden.

Fitness als Teil des zweiten Gesundheitsmarkts
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